Der E-Commerce im März

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Viel los im März: Zalando-Zahlen, neue Vorstöße von Amazon und eine Idee aus Düsseldorf sorgten im vergangenen Monat für reichlich Gesprächsstoff im Business. Und obwohl das Metro-Beben den Monat eigentlich abgeschlossen hat, steht es in unserem Monatsrückblick an erster Stelle. Die Wellen, die der Aufspaltungsplan von Metro-Chef Olaf Koch geschlagen hat, waren außerordentlich hoch. Vorbehaltlich der Zustimmung von Vorstand, Aufsichtsrat und Aktionären will Koch den Düsseldorfer Handelskonzern – laut „Global Power of Retailing 2016“-Report immerhin die Nummer acht im internationalen Handel – in zwei separate, börsennotierte Gesellschaften aufteilen. Kern der neu gestalteten Metro AG könnte die Media-Saturn Holding werden. Unter neuem Namen an die Börse gebracht werden soll hingegen das Brot-und-Butter-Geschäft der Metro mit den Großhandelsmärkten der Cash&Carry-Marke und Lebensmittel-Riesen real. Die Aufteilung soll in beiden Geschäftsbereichen neue Wachstumsimpulse auslösen, wirbt Koch für seinen Plan. Dass Synergien verloren gehen könnten, befürchtet der Metro-Chef nicht. Schon heute bestünden aufgrund der unterschiedlichen Ausrichtung nur wenige Berührungspunkte zwischen den Geschäftsfeldern (http://tinyurl.com/h3bx374).

Amazon liefert in Berlin binnen 120 Minuten

Ganz andere Baustellen macht Amazon derweil auf. Jeff Bezos‘ Lieblingsprojekt wird jetzt auch aktiv in der deutschen Hauptstadt vorangetrieben. In zentraler Lage, am berühmten Ku‘Damm, baut der E-Commerce-Marktführer ein urbanes Zwischenlager auf. Als Waren-Hub soll das innerstädtische Lager die ganz unmittelbare Belieferung der hippen Hauptstadt-Kundschaft in Friedrichshain, Kreuzberg und darüber hinaus gewährleisten. In der bald startenden Testphase sollen zwischen dem Klick auf den Bestellbutton und Lieferung maximal zwei Stunden vergehen. In New York und London ist Amazon längst weiter, sodass absehbar auch in Berlin und weiteren deutschen Ballungszentren die Auslieferung binnen einer Stunde nach Bestellung Realität werden könnte. Die immer weitere Verkürzung der Lieferzeit ist neben dem steten Ausbau des Angebots und der Erweiterung der digitalen Inhalte eine der Säulen im Wachstumsplan von Amazon (http://tinyurl.com/h6yczep).

Wachstumsmäreuropean-union-1204030_1920kte Autos und Polen

Als aussichtsreiche Zukunftsmärkte haben aktuelle Zahlen im März den Online-Automobilmarkt sowie Polen in den Fokus gerückt. Laut einer Untersuchung der Unternehmensberatung A.T. Kearney bietet das Marktsegment Auto großes Wachstumspotential. Demnach könnten sich heute 27 Prozent aller potentiellen Käufer mit dem Autokauf im Netz anfreunden. Bei den online-affinen jungen Konsumenten sind es schon 60 Prozent. In den kommenden drei Jahren sollen so insgesamt 7,6 Mio. Fahrzeuge (davon 1,6 Mio. Neuwagen, 1,9 Mio. Jahreswagen und 4,1 Mio. Gebrauchtwagen) über das Internet den Besitzer wechseln (http://tinyurl.com/jbkjmv3). Die aktuellen Wachstumszahlen aus Polen lenken den Blick auf unseren östlichen Nachbarn. Der Anteil der Internetnutzer an der Gesamtbevölkerung hat mit 70 Prozent die kritischen Marken längst überschritten und verspricht gute Online-Geschäfte. Deutsche Waren sind jenseits von Oder und Neiße gefragt, Wachstumsquoten von 20 Prozent beim E-Commerce-Umsatz werden prognostiziert. Bis 2020 könnte der Branchenumsatz in Polen demnach 25 Milliarden Euro erreichen (http://tinyurl.com/j6yuxgl).

Zalando wandelt auf Amazons Spuren

Die knallenden Sektkorken waren bis nach München zu hören: Zalando hat im Geschäftsjahr 2015 ein Wachstum von 33,6 Prozent auf annähernd drei Milliarden Euro realisiert. Basis des Erfolgs sind die weiter stark wachsende Nutzerzahl sowie die konsequente Mobil-Strategie. Um 22 Prozent auf 18 Millionen ist im vergangenen Geschäftsjahr die Zahl der Zalando-Kunden angewachsen. Die greifen zu 60 Prozent über mobile Plattformen auf das Angebot zu, teilte das Unternehmen mit. 16 Millionen Mal wurde die Zalando-App in diesem Zeitraum heruntergeladen. Ausruhen wollen sich die Berliner auf ihrem Erfolg aber nicht. 200 Millionen Euro will Zalando im laufenden Geschäftsjahr in den Ausbau investieren (http://tinyurl.com/gm6m5ca). Zentraler Baustein dabei wird das neue Angebot „Fulfillment by Zalando“ sein, das im März vorgestellt wurde. Wie beim großen Vorbild aus Seattle will man sich in Berlin mit den natürlichen Grenzen des organischen Wachstums nicht abfinden und als Mamoney-1015277_1920rktplatz für Drittanbieter in neue Sphären vorstoßen. Das Fulfillment-Angebot ermöglicht mittleren und kleinen Händlern den Schritt auf die nationale oder internationale Online-Bühne zu klar kalkulierten Kosten und soll das Zalando-Geschäft um eine neue Umsatzquelle erweitern (http://tinyurl.com/gq6ubaa). In der bayerischen Kapitale bleiben die Schritte des Berliner Konkurrenten natürlich nicht unbemerkt. Amazon will Zalando das Feld keineswegs kampflos überlassen. Eine aktuelle Recruitment-Offensive (http://tinyurl.com/jfstkjb)  legt nahe, dass verstärkt in den Bereich Fashion investiert werden soll. Parallel kann Amazon in neue Welten vorstoßen, die weniger finanzstarken Wettbewerbern mittelfristig versperrt bleiben dürften. Ebenfalls per Stellenausschreibung wurde publik, dass Amazon in den Bereich Virtual Reality (VR) investiert (http://tinyurl.com/zcthezh). VR-Brillen, wie die gerade erst von der Facebook-Tochter Oculus VR veröffentlichte Oculus Rift, sind im Silicon Valley der letzte Schrei. Noch steckt der Markt in den Kinderschuhen. Virtual und Augmented Reality wird aber allgemein eine rosige Zukunft prognostiziert.

AO zieht Bilanz: ein Jahr in Deutschland

In nur wenigen Monaten hat Weiße-Ware-Spezialist AO.com im deutschen Markt nachdrücklich Fuß gefasst. Massive Investitionen in Angebot, Shop, Infrastruktur und Werbung haben AO.de binnen kürzester Zeit zu einem wichtigen Player gemacht. Im März hat Deutschland-Chef Kevin Monk erste Bilanz gezogen. Bei Jahreseinnahmen von rund 60 Millionen Euro zeigt sich Monk mit den ersten zwölf Monaten zufrieden. „Wir sind im Plan“, sagte er der „Internet World“. Monk nutzte die Gelegenheit für ein klares Bekenntnis zum deutschen Markt. Man werde weiter investieren. Und obwohl auch für die kommenden Jahre mit Verlusten zu rechnet sei, ließ Monk keinen Zweifel am langen Atem der Briten. AO ist gekommen, um zu bleiben, so die Botschaft aus Elsdorf bei Köln (http://tinyurl.com/zsvqc37).

Otto wächst um zehn Prozent

Ein gutes Jahr hat auch die Otto Gruppe hinter sich. Der Senior im Versandhandel steigerte die Einnahmen 2015 um zehn Prozent auf 2,56 Milliarden Euro. Maßgeblich dazu beigetragen haben die vielen Neukunden, die der Händler für sich gewinnen konnte – rund zwölf Prozent mehr als im Vorjahr bei insgesamt rund sechs Millionen aktiven Kunden in zwölf Monaten (http://tinyurl.com/gvjugrz). Mit diesem Ergebnis belegt Otto derzeit Platz drei im deutschen B2C-E-Commerce hinter Amazon.de und Zalando. Der „Club der 500er“ ist zuletzt aber weiter gewachsen. Inzwischen machen weitere fünf deutsche Online-Händler mehr als 500 Millionen Euro Jahresumsatz. Zum exklusiven Mitgliederkreis gehören inzwischen auch Zooplus, Notebooksbilliger und Cyberport, Delticom (u.a. Reifendirekt.de) sowie MyToys (http://tinyurl.com/jpoko4p).  Auch das Ausdruck eines Trends, der mit der Digitalen Agenda inzwischen selbst in der Bundespolitik Niederschlag findet: Deutschland wird digitaler. Laut Bitkom-Untersuchung haben bereits 40 Prozent der deutschen Unternehmen erste digitalottoe Schritte bei Produkten oder Dienstleistungen unternommen. 57 Prozent haben bestehende Angebote digital nachgebessert. Kehrseite der Medaille: zwölf Prozent der Unternehmen mussten schon Angebote einstellen, Waren vom Markt nehmen, weil die Digitalisierung sie obsolet gemacht hat. „Die Digitalisierung der Wirtschaft nimmt Fahrt auf“, sagte Bitkom-Präsident Thorsten Dirks zur Eröffnung der CeBIT in Hannover. So geben fast zwei Drittel (64 Prozent) der befragten Unternehmen an, dass sich infolge der Digitalisierung ihr Geschäftsmodell verändert. Im Vorjahr waren es noch 55 Prozent. „Inzwischen haben die meisten Manager die Herausforderung erkannt. Jetzt müssen die Unternehmen Tempo machen und den digitalen Wandel aktiv vorantreiben“, betonte Dirks (http://tinyurl.com/j5nycs5).

Trends: M-Commerce, Drogerie und Lebensmittel

Weiterhin im Trend liegt der Einkauf via Smartphone und Tablet. Fast 60 Prozent der Teilnehmer einer aktuellen Untersuchung der Forward Ad Group haben schon einmal via Tablet eingekauft, immerhin fast 40 Prozent über das Smartphone. Vor allem das Tablet verführt als bequemes digitales Schaufenster auf dem heimischen Sofa zum virtuellen Shopping-Bummel. Höhere Warenkörbe werden allerdings immer noch am PCs erzielt, weiß die Studie. Beim ziellosen Tablet-Stöbern wird also spontan, dafür günstig gekauft, während für geplante Käufe teurerer Produkte noch immer der Rechner angemacht wird (http://tinyurl.com/z8ex66y). Und als neue M-Commerce-Spielart kommt das kuratierte Shoppen via Messeger WhatsApp in Mode. Vor allem im Fashion-Bereich nimmt der Kunde die persönliche Ansprache gut an. Und wer sich als Kunde ernst genommen fühlt, der gibt oftmals mehr Geld aus (http://tinyurl.com/zdwco28). Immer häufiger werden online aber auch Drogerieartikel bestellt. Ob Shampoo , Zahnpasta oder Putzmittel – schon 48 Prozent der deutschen Online-Shopper haben in der Vergangenheit Drogerieartikel im Netz gekauft. Drei Viertel davon tun dies sogar regelmäßig, hat der Bitkom herausgefunden. Bei Frauen ist der Online-Kauf von Parfüm, Kosmetik oder anderen Drogerieprodukten beliebter als bei Männern. 58 Prozent aller Frauen, die in den letzten zwölf Monaten etwas im Internet kauften, haben online schon zu solchen Produkten gegriffen. Bei den Männern sind es 40 Prozent. Unterschiede gibt es ebenfalls in den untersuchten Altersgruppen. So hat die Gruppe der 50- bis 64-jährigen Online-Shopper mit 52 Prozent beim Online-Kauf von Shampoo und Co. die Nase vorn, gefolgt von den 14- bis 29-Jährigen mit 46 Prozent (http://tinyurl.com/z97ttna).

Paketbusiness boomt, Störungen kosten Milliarden

Aus der Distribution sind im März drei Nachrichten hängengeblieben: Zum einen vermeldete die Österreichische Post einen neuen Rekord: 157 Millionen Pakete wurden 2015 in der Alpenrepublik versendet, ein Plus von 3,7 Prozent und so viele wie nie zuvor. Die Post erklärt das gute Ergebnis mit dem anhaltenden Wachstum im E-Commerce. Für das laufende Jahr rechnet man in Wien mit neuerlich vier Prozent Plus (http://tinyurl.com/jz2qjlk). Doch nicht immer verläuft Amazon hebt aballes reibungslos. Insbesondere im globalen Maßstab ist die Lieferkette anfällig für Störungen. Einer DHL-Studie zufolge hatten im vergangenen Jahr 74 Prozent der befragten Unternehmen mit Problemen in der Distribution zu kämpfen. Der wirtschaftliche Schaden soll sich im mittleren dreistelligen Milliardenbereich bewegen (http://tinyurl.com/zq9ng6r). Vielleicht legt sich Amazon.com ja gerade deshalb eine Flotte von 20 Frachtflugzeugen vom Typ Boing 767 zu (http://tinyurl.com/hep5f6r). Eventuelle Probleme sind dann wenigstens hausgemacht.

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