Der E-Commerce im Februar

„Mehr als jeder achte Euro im deutschen Einzelhandel geht nicht mehr in die Ladenkasse, sondern in die E-Commerce- und Versandhandelsbranche. Der E-Commerce wird damit immer mehr zum besseren Nahversorger, weil Beratung, Auswahl und Service flächendeckend angeboten werden“, so die aktuelle Einschätzung zum „State of the Union“ von bevh-Präsident Gero Furchheim. Als Präsident des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) ist es Forchheims Aufgabe, auch aus tiefster Überzeugung, den Onlinehandel in Deutschland im besten Licht erscheinen zu lassen. Das gelingt mit satten Wachstumszahlen. Im Februar veröffentlichte der Verband die Jahresbilanz 2016, die keinen Zweifel an der wachsenden E-Commerce-Stärke aufkommen lässt. So beziffert der Verband den E-Commerce-Jahresumsatz 2016 auf 52,74 Milliarden Euro. Das sind nochmals 12,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Nimmt man den nicht onlineindizierten Versandhandel mit in die Rechnung, beträgt das Wachstum immer noch 10,8 Prozent, der Branchenumsatz beläuft sich dann auf 72,4 Milliarden Euro. 13 Prozent der Handelsumsätze in Deutschland wurden somit im vergangenen Jahr in E-Commerce und Versandhandel geschrieben. Die umsatzstärksten Produktgruppen waren auch 2016 Bekleidung (11,16 Mrd.), Elektronikartikel und Telekommunikation (8,74 Mrd.), Computer, Zubehör, Spiele und Software (ca. 3,68 Mrd.), Schuhe (3,58 Mrd.) sowie Möbel, Lampen und Dekoration (3,19 Mrd.). Entscheidende Wachstumssprünge wurde hingegen in Produktgruppen verzeichnet, die bislang noch nicht im E-Commerce reüssiert haben. Namentlich der FMCG-Bereich (http://blog.metoda.com/amazon-im-fmcg-markt/): „Deutliches Wachstum weisen aber auch bisher eher umsatzschwächere Warensegmente auf wie der Bereich Lebensmittel bzw. Waren des täglichen Bedarfs. Hier schlägt 2016 ein Umsatzplus von 26,7% zu Buche.“ Alle Informationen: http://tinyurl.com/hp5zymn

Echte E-Commerce-Gewinner zeichnete im vergangenen Monat das ECC Köln gemeinsam mit dem Management Forum und dem HDE aus. Zum sechsten Mal wurde in Berlin der Deutsche Online-Handels-Award verliehen. In sieben Branchen wurden Shops prämiert, die aus Kundensicht die besten Resultate liefern. Das überraschende Ergebnis: Amazon.de wird in nur einer Kategorie ausgezeichnet und landet dabei lediglich auf dem zweiten Platz (http://tinyurl.com/gvcj5n5).

Und auch weiterhin soll sich das E-Commerce-Business für die im Onlinehandel tätigen Unternehmen lohnen. Laut einer Analyse der Unternehmensberatung Arthur D. Little wird das Endkonsumentengeschäft im E-Commerce bis zum Jahr 2019 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 19 Prozent aufweisen. Ebenfalls „rasant“ wachsen soll parallel das B2B-Geschäft, dem zahlreiche Marktbeobachter eine rosige Zukunft prognostizieren. 15 Prozent im Schnitt sollten es bis 2019 schon werden (http://tinyurl.com/zwls9u5).

Dabei sind viele Onlinehändler mit ihrer wirtschaftlichen Situation und dem Geschäftsverlauf 2016 zufrieden. 534 Onlinehändler nahmen in diesem Jahr an der Umfrage „Zufriedenheit im Online-Handel“ des Händlerbunds teil. Immerhin 20 Prozent der Teilnehmer zeigten sich mit dem Jahr 2016 „sehr zufrieden“ (Vorjahr: 24%). Weitere 47 Prozent waren immerhin „zufrieden“ (Vorjahr: 44%). Somit sind zwar weniger Händler als noch im Vorjahr in geradezu euphorischer Stimmung, insgesamt beurteilt aber noch immer eine klare Mehrheit der Umfrageteilnehmer (67%) die Gesamtsituation positiv (Vorjahr: 68%): http://tinyurl.com/jyfwpxj

Die Schattenseiten des E-Commerce-Booms zeigen sich im stationären Handel. Laut Handelsverband Deutschland (HDE) ist die Gesamtbranche im vergangenen Jahr um nominell zwei Prozent auf 492 Milliarden Euro gewachsen, nach 2,2 Prozent Wachstum im Vorjahr. Wachstumstreiber bleibt der E-Commerce, der nach HDE-Zahlen um elf Prozent zulegen konnte. „Das setzt traditionelle Handelsstandorte wie die Innenstädte zunehmend unter Druck“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth (http://tinyurl.com/zea2v7t).

Die Unternehmensberatung Oliver Wyman bläst ins gleich Horn und wird konkreter: Deutschen Innenstädten und Einkaufscentern werden weiterhin stürmische Zeiten vorausgesagt. Findet der stationäre Handel keine neuen Rezepte, könnten in 15 Jahren 50 Prozent der Handelsunternehmen vom Markt verschwunden sein, prognostiziert Analyst Sirko Siemssen (http://tinyurl.com/h8c2bqb).

Derweil vertritt der bevh angesichts wachsender Wirtschaftskraft und steigendem Einflusses die eigenen Ansichten zunehmend offensiv. Bei mehr als 200.000 E-Commerce-Arbeitern und hohen Milliardenumsätzen sollen auch politisch die eigene Ideen umgesetzt werden. Auf der Verbandsagenda steht u.a. der Kampf gegen das Abmahnwesen, die internationale Vereinheitlichung des Datenschutzes und der Breitbandausbau in Deutschland (http://tinyurl.com/hcb6h4c).

Als Wachstumsfeld für erfolgreiche nationale Händler gilt der grenzüberschreitende Onlinehandel. Was innerhalb der Europäischen Union dank Binnenmarkt und gemeinsamen Rechtsrahmen noch vergleichsweise einfach umzusetzen ist, kann im weltweiten Maßstab eine große Herausforderung sein. Doch lohnt es sich eben auch besonders, seine Ware beispielsweise in China anzubieten. Seit ausländische Händler  leichteren Zugang zum Markt im Riesenreich haben, geben die Chinesen immer mehr Geld für im Ausland bestellte Waren aus – 2016 bereits umgerechnet 31,99 Milliarden US-Dollar (http://tinyurl.com/j7h5umj). China ist aber nicht die einzige lohnende Auslandsdestination. DHL erwartet bis 2020 ein Wachstum im internationalen Handel von derzeit rund 300 auf dann 900 Milliarden US-Dollar. Im Schnitt um 25 Prozent soll der internationale E-Commerce in dieser Zeit jährlich wachsen (http://tinyurl.com/zxc7zh7).

Und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel: Das Hamburger Dickschiff Otto schipperte auch im Geschäftsjahr 2016/17 in ruhigen und umsatzstarken Gewässern. Mehr als sieben Milliarden Euro haben die Hansestädter mit ihren E-Commerce-Aktivitäten eingenommen, was einem Wachstum von zehn Prozent im Jahresvergleich entspricht. Deutschland bleibt mit einem Umsatzanteil von fünf Milliarden Euro (71 Prozent) der mit Abstand wichtigste Markt für Otto (http://tinyurl.com/gtxck8q).

Auf steigende Onlineumsätze hoffen auch Deutschlands Spielwarenhändler. In dem stark stationär verankertem Geschäft erobert Amazon aggressiv Marktanteile (http://tinyurl.com/zrhnvah). Mit einer neuen Onlinestrategie will Vedes die Entwicklung nun bestenfalls umgekehren, womöglich stoppen, aber zumindest doch verlangsamen. In der Logistik, mit einer stärkeren Vernetzung von stationär und online sowie neuen Click-&-Collect-Angeboten will Vedes den Zeitgeist bändigen. Schwierig nur, dass die eigene Klientel zu selten mitspielt. Bis zu 100 Mitglieder sollen bis Jahresende zum Mitmachen bewegt werden – bei insgesamt 822 angeschlossenen Unternehmen (http://tinyurl.com/j4sqvkn).

Rolle rückwärts bei Lidl: Nach dem Wechsel in der Chefetage wird beim Testballon Lidl Express die Luft abgelassen. Statt Mini-Supermärkte mit  hohem Convenience-Anteil und Abholtheke für online bestellte Ware werde man verstärkt in internationale Onlineshops investieren, heißt es aus Neckarsulm (http://tinyurl.com/zbnx5sq).

Eine stärkere Vernetzung von online und Filiale treibt derweil auch Dehner voran. Kunden von „Dehner Express“ können sich Ware zum Wunschtermin liefern lassen. 117 Gartencenter bundesweit machen mit (http://tinyurl.com/jb4sjzc).

Und nun zu Amazon! 12,8 Milliarden Euro – so viel hat Amazon.de im vergangenen Geschäftsjahr umgesetzt. 20 Prozent beträgt das Wachstum gegenüber Vorjahr. Die Summe umfasst dabei natürlich das eigene Handelsgeschäft, aber auch die anteiligen Umsätze aus den Marketplace-Geschäften sowie Servicegebühren und digitale Dienstleistungen. Wie sich die Summe hierzulande auf die verschiedenen Posten verteilt, bleibt allerdings Firmengeheimnis. Noch stärker ist übrigens das internationale Geschäft gewachsen. Bei 136 Milliarden US-Dollar verbucht Bezos‘ Online-Gemischtwarenladen 27 Prozent Umsatz mehr als noch vor einem Jahr (http://tinyurl.com/hb7koxw).

Also alles eitel Sonnenschein in Seattle? Natürlich nicht. Denn trotz erneut zweistelligem Wachstums und rund 750 Millionen Dollar Quartalsgewinn hat Amazon nicht alle Erwartungen der Wallstreet erfüllt. Im Geschäftsjahr wurden die Prognosen um rund eine Milliarde Dollar verfehlt. Amazon erklärt die Lücke mit ungünstigen Wechselkursen (http://tinyurl.com/hxwkjr4).

Wichtige Stütze im Geschäftsjahr war Amazon Prime. Erstmals wurde in den Jahreszahlen detaillierter auf das Geschäft mit den Prime-Abos eingegangen. Demnach wurden 6,4 Milliarden US-Dollar mit „jährlichen und monatlichen Gebühren in Zusammenhang mit der Amazon-Prime-Mitgliedschaft, sowie weitere Subscription Services wie Audiobooks, E-Books, Digitale Videos, Digitale Musik und andere“ geschrieben (http://tinyurl.com/ze3kkko).

Und natürlich wird nicht nur hierzulande eifrig über die Größe und Bedeutung Amazons diskutiert. Digitalcommerce spricht Amazon einen Anteil von satten 43 Prozent an allen Online-Verkaufsbewegungen 2016 in den USA zu. Ein beachtlicher Anteil, der neben dem Eigengeschäft natürlich den Marketplace mit einschließt. Damit nicht genug, soll Amazon außerdem für mehr als die Hälfte des Wachstums im US-Retailbusiness 2016 verantwortlich gewesen sein (http://tinyurl.com/hwy92sm).

Wachstum bedeutet bei Amazon immer auch mehr Mitarbeiter. 2017 will Amazon international 15.000 neue Stellen schaffen. In Deutschland, weiterhin zweitgrößter Amazon-Markt hinter den USA, sollen es immerhin 2.000 neue Mitarbeiter bis Jahresende werden (http://tinyurl.com/jbyyhka).

Damit es weiterhin steil bergauf geht, wird weiter fleißig an neuen Services geschraubt. So soll der Schnelllieferservice Prime Now jetzt auch im Ruhrgebiet starten. Als Lager in zentraler Lage soll das ehemalige Nokia-Gelände in Bochum dienen (http://tinyurl.com/h5fz3f6).

Berlin soll unbestätigten Berichten zufolge im April die erste deutsche Großstadt mit Amazon-Fresh-Versorgung werden. Der lang erwartete Vorstoß wäre ein weiterer Baustein in der FMCG-Offensive Amazons und den Druck auf den Lebensmittelhandel weiter erhöhen (http://tinyurl.com/jxzuukq).

In die eigene Logistik wird in den USA investiert. In Cincinnati im US-Bundesstaat Kentucky wird Amazon den örtlichen Flughafen für 1,5 Milliarden Dollar den eigenen Bedürfnissen anpassen. Bis zu 200 Starts und Landungen sollen am Amazon-Airport täglich stattfinden, um mit Prime Air Ware in die gesamten USA zu liefern (http://tinyurl.com/gpjy3js).

Eine ganz besondere Ehre hat Amazon im Februar zudem auf ungewohntem Felde errungen. Bei der Oscar-Verleihung räumten zwei Produktionen der Amazon Studios ab. Mit „Manchester by the Sea“ wurde Casey Affleck als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Darüber hinaus gab es für das hoch gelobte Drama einen kleinen Goldjungen für das beste Drehbuch. Als bester fremdsprachiger Film wurde zudem „The Salesman“ ausgezeichnet (http://tinyurl.com/z6xt3up).

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