Der E-Commerce im Dezember

Die Oper ist erst vorbei, wenn die dicke Frau gesungen hat und kein E-Commerce-Jahr ist ohne Weihnachtsgeschäft komplett. Bevor es also mit voller Kraft Richtung 2017 geht, werfen wir zunächst noch einmal einen Blick zurück auf das Weihnachtsgeschäft 2016 und was in der Branche im Dezember wichtig war.

Der letzte Monat des Jahres hatte es wieder einmal in sich. In weiten Teilen des Online-Handels bildet das vierte Quartal den Umsatzschwerpunkt. Der Dezember steht dabei besonders im Fokus. Doch schon im November ließ der Markt mit den umsatzstarken E-Commerce-Feiertagen Black Friday und Cyber Monday die Muskeln spielen. Mit dem Black Friday startet der US-Handel traditionell in die heiße Phase des Weihnachtsgeschäfts. Mit dem langen Thanksgiving-Wochenende werden die US-Konsumenten in weihnachtliche Shoppinglaune gebracht.

Und die ist für den Handel außerordentlich einträglich. Laut einer Untersuchung von ComScore haben die US-Onlineshopper zwischen Thanksgiving am 24. November und dem 4. Dezember für mindestens eine Milliarde US-Dollar eingekauft – tagtäglich wohlgemerkt. Mit elf Tagen mit Milliardenumsatz hintereinander gibt es also starke Vorzeichen für ein gelungenes Weihnachtsgeschäft 2016. Dabei zeigen die ComScore-Daten noch nicht einmal die ganze Wahrheit. Zugrunde liegen nämlich einzig Einkäufe über klassische PCs (Desktop und Notebook), während via mobile Device generierte Umsätze nicht abgebildet sind (http://tinyurl.com/gnkznx3).

Die insolvente Unister-Gruppe kann momentan nicht vom E-Commerce-Boom profitieren. Im Dezember spitzte sich die situation in Leipzig nochmals zu. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet von einer „dramatischen Lage“ bei Unister. Demnach werden viele Gläubige aufgrund der kaum vorhandenen Vermögenswerte wohl leer ausgehen (http://tinyurl.com/hocvt5h).

Einen Lichtblick meldet derweil Rocket Internet aus Berlin. Der Inkubator der Samwer-Brüder (u.a. Jamba, Zalando) hat die zuletzt belastenden Groß-Beteiligungen wieder auf die Schiene gebracht. So konnte der EBITDA-Verlust in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres um 159 Millionen Euro reduziert werden. Dabei konnten vor allem die großen Beteiligungen ihren Umsatz um 30 Prozent steigern. All das ist aber noch kein echter Durchbruch. Nach wie vor verliert Rocket Internet viel Geld. Die Kehrtwende scheint aber eingeleitet. Nach neun Monaten beläuft sich der Verlust aber noch auf 642 Millionen Euro (http://tinyurl.com/zo8tb3a).

Im Gänsemarsch geht es parallel bei Real voran. Kurz vor der Abspaltung von der Konzernmutter Metro konnte Real den Online-Umsatz um 46 Prozent auf 68 Millionen Euro steigern (http://tinyurl.com/j3f2px7). Richtig durchstarten will die Marke aber erst im neuen Jahr. Nach der vollständigen Integration von Hitmeister will Real.de das Kölner Fundament nutzen, um im Onlinemarkt zu wachsen. Und die Ausgangsbasis ist gut. Über 2,6 Millionen Kunden kauften zuletzt bei den mehr als 5.000 Hitmeister-Händlern sein. Dass dabei die durchschnittliche Orderzahl auf 51 gewachsen sei, machte Hitmeister hinter Amazon und eBay zur Nummer drei im deutschen Markt (http://tinyurl.com/gwvdulo).

Während die großen Resümees noch ausstehen, konnte der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. zumindest für den Start ins Weihnachtsgeschäft Positives melden: den frühen Indikatoren zufolge ist der Auftakt gelungen. In den ersten neun Wochen des vierten Kalenderquartals 2016 – also grob in den Monaten Oktober und November – legte der Umsatz im Online- und Versandhandel um 10,4 Prozent auf 11,5 Milliarden Euro zu (http://tinyurl.com/jloco4v).

Aber natürlich ist zum Jahreswechsel auch der Blick in die Glaskugel immer wieder gern gesehen. Und die Aussichten sind allenthalben gut. So prophezeit der Eco dem stationären Handel positive Effekte aus der Digitalisierung. Mit neuen digitalen Services könnten stationäre Händler 2017 im Wettbewerb mit dem Onlinehandel die eigene Position stärken, so der Internetverband (http://tinyurl.com/hfdvghq).

Gute Geschäfte lässt zudem der Wandel im Konsumverhalten erwarten. Im vierten Quartal 2016 war die Zahl der Internetnutzer in Deutschland laut Statistischem Bundesamt auf 62 Millionen Menschen angewachsen. 81 Prozent davon nutzen das Netz über mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets. Damit sind die mobilen Internetnutzer in der Mehrheit, greifen doch gerade einmal noch 65 Prozent ganz klassisch über den Desktop auf Internetinhalte zu (http://tinyurl.com/jeyo8y4).

Da kann es auch nicht wirklich überraschen, dass der M-Commerce auf dem Vormarsch ist. Wer heute online verkaufen will, sollte sein Angebot dem Konsumenten für das Smartphone optimiert bereitstellen. Bereits 39 Prozent der Internetnutzer kaufen laut einer Befragung des Hightech-Verbands Bitkom via Smartphone digital ein. Die Zahl der Smartphone-Shopper habe sich demnach binnen zwei Jahren fast verdoppelt. Zwar kauft die Mehrheit mit 64 Prozent auf dem Laptop und 50 Prozent auf dem Desktop noch immer klassisch online ein, beide Werte sind aber rückläufig (http://tinyurl.com/jshdoq8).

Dabei steigt die Konsumbereitschaft der Kundschaft weiter an. Laut Bitkom-Befragung gaben die Konsumenten im vergangenen Jahr im Schnitt 1.280 Euro im E-Commerce aus. Ein Fünftel (22 Prozent) gab an, im zurückliegenden Jahr zwischen 500 und 1.000 Euro ausgegeben zu haben, ein gutes Viertel (29 Prozent) der Befragten hat zwischen 1.000 und 2.500 Euro ausgegeben. Jeder Sechste (16 Prozent) kaufte online für mehr als 2.500 Euro ein. „Auch für 2017 stehen die Zeichen im E-Commerce auf Wachstum“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder (http://tinyurl.com/hsqm5do).

Zudem hat der Bitkom noch gefragt, was zum Fest online eingekauft wird. Bei den digitalen Geschenken lagen demnach digitale Gutscheine in Front. 37 Prozent der Deutschen wollten zu Weihnachten einen digitalen Gutschein verschenken. Vier von zehn Befragten (37 Prozent) wollten einen Gutschein für einen Online-Shop verschenken. Mehr als jeder Vierte (27 Prozent) plante, Freunde oder Familienmitglieder mit Guthaben für Prepaid-Karten von Mobiltelefonen zu beschenken. Ein Klassiker im Weihnachtsgeschäft sind digitale Spiele: Jeder Dritte (33 Prozent) wollte Computer- oder Videospiele verschenken. „Der Geschenkekauf zu Weihnachten zeigt, wie sich das Konsumverhalten und die Mediennutzung der Deutschen verändert“, sagt Julia Miosga, Bitkom-Expertin für Handel und Logistik. „Mit wachsender Zahl der Online-Shopper sind Gutscheine für Internet-Shops als Geschenk immer gefragter. Die Beliebtheit von Video- und Computerspielen ist hingegen seit Jahren ungebrochen.“ (http://tinyurl.com/gq6qmx7).

Wer etwas Handfesteres verschenken wollte, hat gerne zum breiten Elektronikangebot gegriffen. 71 Prozent der Deutschen wollten sich zum Fest selbst digitale mit Technik beschenken und 50 Prozent solche Geräte an Freunde und Verwandte verschenken. Insgesamt wollten 85 Prozent der Deutschen zu Weihnachten digitale Technik kaufen, so der Bitkom. Ganz vorn mit dabei: Smartphone, Table und E-Book-Reader (http://tinyurl.com/zlekczw).

Während also die mobile Gerätewelle den Markt überschwemmt, macht der Bürger längst nicht jede digitale Neuerung mit. Weiterhin skeptisch steht der deutsche Konsument mobilen Bezahlangeboten gegenüber. Nur vier Prozent der Deutschen wollen mit dem Smartphone im Geschäft zahlen, fand Deloitte heraus. Im europäischen Vergleich sind die Deutschen damit Schlusslicht. „Die Ergebnisse der Studie sind für Anbieter mobiler Bezahlsysteme ernüchternd“, sagte Klaus Böhm, Direktor bei Deloitte (http://tinyurl.com/z6c5xcz).

Unmittelbarer Nutznießer des digitalen Booms sind Versanddienstleister und Logistiker. Sie profitieren davon, dass immer mehr Waren zwar über das Internet verkauft werden, aber irgendwie ja auch noch zum Konsumenten kommen müssen. So rechnete DHL mit einem Berg von mehr als acht Millionen Paketen an den Tagen vor Heiligabend. Und auch Hermes erwartete ein Plus beim Paketvolumen von satten 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr: http://tinyurl.com/z96ljux.

Für noch mehr Pakete und Päckchen will Otto mit dem im Dezember gestarteten Angebot „Otto Now“ sorgen. Viel war über den Vermietservice berichtet worden, seit wenigen Wochen können die Kunden Waschmaschine, TV-Gerät oder Fotokamera nun bei Otto mieten https://www.ottonow.de/.

Mehr Service bietet seit kurzem auch Apple-Reseller Gravis in Mannheim, Karlsruhe, Bremen und Wiesbaden. Mit den jüngsten Neuzugängen im Same-Day-Delivery-Programm bieten jetzt 26 von 43 Gravis-Stores bundesweit den Service an (http://tinyurl.com/gr5gh7f).

Kein ganz neues, aber dafür umso spannenderes Thema ist weiterhin die Entwicklung im Food-Bereich. „Verlieren deutsche Einzelhändler den Wettbewerb im Online-Lebensmittelhandel?“, fragte im Dezember A.T. Kearney provokant. Die These: der deutsche Lebensmitteleinzelhandel ist unzureichend auf neue Angebote wie Amazon Fresh vorbereitet. Wird nicht schnell gehandelt, könnte die Entwicklung eine Dynamik ausbauen, die tradierte Modelle an die Belastungsgrenze führen (http://tinyurl.com/jmjjnyx).

Gehört werden die Warnungen offenbar. Lebensmittel-Discounter Lidl hat in den vergangenen Monaten die E-Commerce-Aktivitäten deutlich hochgefahren. Einen weitern – halbdigitalen – Testballon lässt die Kette in Berlin steigen. In Schöneberg wird ein neues Shopkonzept unter dem Namen Lidl Express realisiert. Das Warenangebot soll sich auf schnell zu konsumierende Waren für den Großstadt-Single und eine Auswahl an Obst und Gemüse konzentrieren. Zudem werde es Abholstationen für Online-Kunden geben: http://tinyurl.com/jtvfjyl

Zu einer lang erwarteten Konsolidierung kam es im Dezember bei den Lieferdienst-Vermittlern. Delivery Hero hat sich den Konkurrenten Foodpanda einverleibt. Die Kaufsumme wurde nicht genannt. Jedoch erhöht sich die Beteiligung von Rocket Internet an Dilvery Hero auf 38 Prozent, da die Berliner an beiden Diensten beteiligt waren (http://tinyurl.com/h8heonx).

Mehr versprochen hatte sich die Hotelsuchmaschine Trivago vom Gang aufs Börsenparkett. Doch ist Parkett mitunter rutschig, wie man auch in Düsseldorf feststellen musste. Zwar fiel Trivago nicht auf die Nase, der Kurs entwickelte sich an der Technologiebörse Nasdaq zuletzt aber nicht wie erhofft. Auf ein kurzfristiges Kursziel zwischen 13 und 15 US-Dollar war spekuliert worden, eingependelt hat sich das Papier aber bei einem Wert von rund 12 Dollar (http://tinyurl.com/zd2jpk6).

Investiert wurde im Dezember unter anderem von der Karstadt-Mutter Signa Retail. Nach Outfitter, Dress-for-less und Fahrrad.de haben die Österreicher auch Tennis Point übernommen (http://tinyurl.com/z9roxpx).

Der Amazon-Block beginnt mit dem Aufreger des Monats. Mit gebührendem Abstand zum Weihnachtsfest wurden die Versandkosten ordentlich erhöhte. 3,99 Euro kostet der Standardversand bei Bestellungen unterhalb der Versandkostengrenze von 29 Euro. Zwar sind einige Produktbereiche ausgenommen, dennoch ist der Schritt mehr als nur ein sanfter Schubser für die bislang nicht im Prime-System gebundene Kundschaft, jetzt doch bitte eine Mitgliedschaft abzuschließen (http://tinyurl.com/ju8km4x).

Weitreichende Folgen dürfte auch der lang erwartete Marktstart von Amazon Business in Deutschland haben. Seit Mitte Dezember mischt der Marktführer auch ganz offiziell im B2B-Geschäft mit. 100 Millionen Produkte für Büro und Fabrikation sind zum Start erhältlich. In den USA ist Amazon Business bereits ein durchschlagender Erfolg und auch hierzulande wird dem B2B-E-Commerce eine rosige Zukunft vorhergesagt (http://tinyurl.com/jrvql65).

Und dann war da natürlich noch Amazon Go. Der erste Supermarkt einer neuen Generation eröffnete mit viel medialem Tamtam in Seattle. Der Clou: ohne Kassen und Kassenschlangen verspricht Amazon Go einen schnellen und stressfreien Einkauf. Sensoren erfassen, wenn der Kunde Ware aus dem Regal nimmt. Via App wird eine digitale Rechnung erstellt, die beim Verlassen des Ladens über das Amazon-Konto beglichen wird. In Seattle wird das System derzeit auf Herz und Nieren getestete – internationaler Rollout bei Erfolg nicht ausgeschlossen: http://tinyurl.com/jy77sx9

Amazon Echo ist längst eine ganz eigene Erfolgsgeschichte. Allen datenschutzrechtlichen Bedenken zum Trotz hat sich der Abverkauf der Geräte im Jahresvergleich verneunfacht. Ohne konkret zu werden spricht Amazon von Millionen verkauften Echo-Geräten weltweit (http://tinyurl.com/jop8gdu). Sämtliche Kinderkrankheiten sind jedoch noch nicht ausgemerzt: http://tinyurl.com/z936u9s

Investiert wurde auch in Deutschland. So hat Amazon eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr 800 unbefristete Stellen geschaffen. Der Job-Motor brummt also weiterhin (http://tinyurl.com/h5zkl7f). Und so soll es weitergehen. Im niedersächsischen Winsen soll bis Ende 2017 ein weiteres Logistikzentrum entstehen und bis zu 1.000 Beschäftigten Arbeit geben. Vom neuen Standort aus sollen Kunden in Norddeutschland noch schneller mit Ware versorgt werden (http://tinyurl.com/zvzr9yv).

Auch lohnt immer der Blick über den großen Teich, um zu sehen, welche Amazon-Neuerungen mittelfristig denn auch zu uns kommen könnten. Neu in den USA ist etwa die Amazon-Eigenmarke Wickedly Prime. Unter der Marke verkauft Amazon künftig Snacks und Knabberzeug in Eigenregie(http://tinyurl.com/hbg4mxy).

Weitere interessante Themen

, ,

Neue Chancen im B2B-E-Commerce

Weiterlesen
, ,

E-Commerce-Index: Früher Saisonstart für Freiluft-Kategorien

Weiterlesen