Der E-Commerce im August

Zum Monatsende hin hat sich der deutsche Sommer doch noch berappelt und den leidgeplagten Sonnenanbetern tatsächlich ein paar schöne Tage spendiert. Im E-Commerce ist immer Hochsaison und im vergangenen Monat jagte erneut eine Nachricht die nächste. Der Monatsrückblick rekapituliert die wichtigsten Ereignisse der vergangenen vier Wochen im vielleicht schnelllebigsten Geschäft der Welt.

E-Commerce wächst schnell

Generell gute Nachrichten hatte im August der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel parat. Die Marktzahlen für das zweite Kalenderquartal 2016 zeigen mit einem Umsatzplus im Versandhandel mit Waren von satten 11,5 Prozent auf 13,7 Milliarden Euro eine im Ganzen positive Entwicklung auf. Der E-Commerce hatte einen Anteil von 91,2 Prozent am Gesamtvolumen und erreichte 12,5 Milliarden Euro Dreimonatsumsatz. Mit Blick auf den Vorjahreszeitraum verbucht der Verband für den E-Commerce somit ein Wachstum von 15,8 Prozent. Zu den Gewinnern zählen die Warenkategorien „Computer/Zubehör/Spiele“ mit einem Wachstum von 37,5 Prozent und „Elektoartikel/Telekommunikation“ mit einem Plus von 16 Prozent. Der Umsatz mit digitalen Dienstleistungen wie Tickets oder Reisen belief sich auf rund 3,8 Milliarden Euro, was einem Wachstum von 18,8 Prozent entspricht (http://tinyurl.com/gtjz4vm).achievement-18134_1280

Nicht schlechter erging es dem US-Markt. Das US Department of Commerce weist für den Dreimonatszeitraum April bis Juni ein Umsatzplus im E-Commerce von 15,8 Prozent aus – das größte Quartalswachstum seit zwei Jahren. Insgesamt haben die Konsumenten in den USA 91,24 Milliarden US-Dollar im E-Commerce ausgegeben, womit das US-Business in drei Monaten mehr als doppelt so viel Umsatz geschrieben hat wie der deutsche E-Commerce im gesamten Jahr 2015 (http://tinyurl.com/zk295un).

Damit das nicht so bleibt, streckt sich auch Amazon-Musterschüler Zalando nach den Sternen. Erfolgreich war der Griff im ersten Halbjahr 2016. Bei Einnahmen von 1,7 Milliarden Euro kann ein Wachstum von 24 Prozent auf der Habenseite verbucht werden. Noch kräftiger ist das Betriebsergebnis (Ebit) gewachsen. 93,6 Millionen Euro verdiente Zalando in den ersten sechs Monaten des Jahres vor Zinsen und Steuern. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies ein Wachstum von stolzen 84 Prozent – die Ebit-Marge kletterte von 3,7 Prozent im Vorjahr auf jetzt 5,5 Prozent (http://tinyurl.com/zjdm4zd).

Ein ehemaliger Shootingstar aus Deutschland konnte im August den plötzlichen Exitus gerade noch verhindern. Zumindest die Filetstücke der insolventen Unister-Gruppe werden die geschäftlich spektakuläre, menschlich jedoch tragische Pleite wohl überleben. Presseberichten zufolge sind in Leipzig rund 20 Investoren vorstellig geworden, um Unister im Ganzen oder in Teilen zu kaufen (http://tinyurl.com/zna5tbb).

Geldsegen für Outfittery

Mehr Musik ist im Segmebusiness-163464_1280nt Kleidung. Einen erneuten Geldsegen empfing im April Outfittery. Der 2012 gegründete Modeberater macht mit wachsendem Erfolg Leute und feiert mit dem Curated-Shopping-Prinzip Erfolge. In der nunmehr vierten Finanzierungsrunde wurden nochmals 22 Millionen Euro von Altinvestoren und neuen Partnern eingesammmelt (http://tinyurl.com/hbgatvp). Peanuts freilich für den chinesischen Shopping-Riesen Alibaba. Doch auch in Hangzhou hat man einmal klein angefangen. Inzwischen wandelt Alibaba auf den Spuren Amazons und baut das Geschäft schnell aus. Das zweite Quartal wurde mit mehr als 800 Milliarden Yuan Umsatz beendet, umgerechnet deutlich mehr als 100 Milliarden Euro und ein Wachstum von 24 Prozent im Jahresvergleich (http://tinyurl.com/h8nhucx).

Das ganz große Rad drehte im vergangenen Monat erneut Wal-Mart, mit 482 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz immerhin weltgrößter Handelskonzern. Um online nicht gänzlich den Anschluss zu verlieren, hat der Gigant aus Arkansas ganz tief in die Kriegskasse gegriffen und für drei Milliarden US-Dollar Jet.com gekauft. Das vor erst zwei Jahren gegründete Shopping-Start-up setzt vor allem auf günstige Preise und kalkuliert mit einem ausgefeilten Algorithmus immer Spitz auf Knopf, um Kunden zu gewinnen. Ein Image, das auch Wal-Mart seit Jahrzehnten hegt und pflegt. Für Wal-Mart soll Jet Keimzelle eines innovativen und hoffentlich gewinnbringenden Online-Geschäfts sein http://tinyurl.com/zb7qsls).

Wichtige Trends für im E-Commerce tätige Unternehmen beleuchteten jüngst die beiden Consultant-Unternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) und Anxo. Während PwC zurecht auf die wachsende Bedeutung des M-Commerce hinweist, betont Anxo die hohe Konsumbereitschaft der Best-Ager im Netz. So haben im vergangenen Jahr schon 35 Prozent der deutschen Online-Shopper mindestens einmal im Monat via Smartphone oder Tablet eingekauft. Hierzulande weiterhin unbeliebt bleibt allerdings das mobile Payment. Lediglich sechs Prozent der befragten Deutschen haben schon einmal mit ihrem mobilen Endgerät bezahlt (http://tinyurl.com/jpfhmgp). Und immer häufiger kommt die Bestellung von einem Best-Ager über 50. Nicht nur wächst der Bevölkerungsanteil der Best-Ager, womit die Zielgruppe immer interssanter wird, auch shoppt diese meist besser situierte Kundschaft mit wachsender Leidenschaft online. 68 Prozent der Über-50-Jährigen kaufen laut der Anxo-Analyse mindestens einmal im Monat im Netz (http://tinyurl.com/jxu9hkc).

Comeback für Hertie und D-Mark

dm-1051694_1280Der Zielgruppe 50+ bestens bekannt sind die beiden Traditionsname Karstadt und Hertie. Über die gemeinsame Mutter ist Karstadt nun mit dem Pure-Player dress-for-less verwandt. Die österreichische Signa Retail hat den insolventen Modehändler im August aufgekauft, um online im Bekleidungsgeschäft besser Fuß zu fassen (http://tinyurl.com/gsza9n3). Derweil kokettiert Hertie mit der eigenen Vergangenheit. Weil die Deutschen noch immer annähernd 13 Milliarden D-Markt unter Matratzen und in Kopfkissen horten, unterbreitet Hertie ein besonderes Angebot. Künftig kann die Kundschaft wieder in D-Mark zahlen. Das geht risikolos, weil die Bundesbank die alte Währung unbegrenzt und unbefristet in Euro umtauscht. Das naturgemäß etwas umständliche Prozedere wird der Kundschaft mit einem attraktiven Wechselkurs schmackhaft gemacht (http://tinyurl.com/hhnqa2c).

Einen ganz anderen Wettbewerb tragen die Marktgrößen momentan im Versand aus. Same-Day-Delivery ist das Schlagwort der Stunde. So ist München seit kurzem die zweite deutsche Großstadt, in der Prime-Kunden in den Genuss von Amazon Prime Now kommen. Regulär binnen zwei Stunden, gegen Aufpreis in nur einer Stunde ist die Bestellung beim Kunden (http://tinyurl.com/hkf4vb9). Dass kann und will der Wettbewerb nicht auf sich sitzen lassen. In der Hauptstadt erhalten Zalando-Kunden auf Wunsch auch Waren ausgewählter Retail-Partner noch am Tag der Bestellung geliefert. Möglich macht’s die Kooperation mit Tiramizoo, die um ein Same-Day-Delivery-Angebot im Stadtgebiet erweitert wird. Bis 21.00 Uhr liefert der Partner Bestellungen aus, die bis 16.00 Uhr getätigt wurden (http://tinyurl.com/hvueldd). Noch einen Schritt weiter ist Notebooksbilliger. Nach Berlin und Hamburg werden auch das Ruhrgebiet sowie die beiden Rheinland-Metropolen Köln und Düsseldorf nun taggleich beliefert. Hier übernimmt Liefery als Versandpartner die Auslieferung noch am gleichen Tag. Allerdings muss die Bestellung bis 13.00 Uhr, im Ruhrgebiet bis 14.00 Uhr aufgegeben worden sein, um binnen weniger Stunden beim Kunden zu sein. Preislich soll die Wahl der Same-Day-Delivery keinen Unterschied machen. Die Versandpreise unterscheiden sich bei taggleicher Lieferung nicht von den Standardgebühren (http://tinyurl.com/zdym2ed).

Neue Wege in der Zustellung geht auch Hermes. Gemeinsam mit dem estnischen Start-up Starship Technologies testet die Otto-Tochter im heimatlichen Hamburg die Auslieferung via Roboter. In den kommenden vier Monaten werden die automatischen Paketboten in der Hansestadt an ausgewählte Haushalte ausliefern. In dieser Zeit will Hermes die Vor- und Nachteile der Technologie kennenlernen, um über einen möglicherweise flächendeckenden Einsatz entscheiden zu können (http://tinyurl.com/hrtagrd).

Schlachtfeld Food-Markt

Und ein weiteres Schlachtfeld tut sich auf: zwei finanzstarke Neulinge treten in den Food-Markt ein, um das lukrative Zukunftsversprechen in diesem Marktsegment einzulösen. Außenwerbungsspezialist Ströer hat das Gourmet-Start-up Foodist übernommen und mischt den Markt für exotische und hochwertige Lebensmittel kräftig auf (http://tinyurl.com/j8b2zc5). fruit-1095326_1280Nicht von ungefähr klotzt auch Reifen-Riese Delticom im Food-Markt. Mit den Übernahmen von Gourmondo und ES Food wurde eine Duftmarke im Zukunftssegment gesetzt. Weitere Zukäufe ausdrücklich nicht ausgeschlossen (http://tinyurl.com/j6grq67).

Bonjour, Chanel! Die französische Luxus-Kosmetikmarke ist seit August mit einem eigenen Shop im Netz vertreten (http://tinyurl.com/hh92wm8). Sicherlich besteht in Paris nun gesteigerter Bedarf an erfahrenen E-Commerce-Spezialisten. Da kommt die – längst überfällige – Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums wie gerufen. Gemeinsam mit den Fachverbänden und den Gewerkschaften wird der Ausbildungsberuf „E-Commerce-Kaufleute“ geschaffen. Ab dem Berufsschuljahr 2018/19 soll es mit der professionellen und einheitlichen Ausbildung spezialisierter E-Commerce-Experten losgehen (http://tinyurl.com/grnpegz).

Bis hierhin kaum ein Wort zu Amazon.de. Aber natürlich bekommt der Marktführer auch in diesem Monatsrückblick den ihm gebührenden Platz eingeräumt. Beispielsweise, in dem auf die weiterhin hohe Investitionstätigkeit hingewiesen wird. Amazon-Boss Jeff Bezos ist bekennender Fan des Trial&Error-Prinzips, um aussichtsreiche Ideen von Rohrkrepierern zu trennen. Zuletzt flossen so rund 14,2 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung. Mehr etwa, als die Google-Mutter Alphabet investiert und nur hinter Autobauer Volkswagen der zweithöchste Wert weltweit (http://tinyurl.com/jgdxqhg).

Project X nimmt Gestalt an

Ergebnis sind dann beispielsweise Initiativen wie das nun unfreiwillig gelüftete „Project X“. Presseberichten zufolge soll es sich dabei um den nächsten Vorstoß Amazons ins stationäre Geschäft handeln. So entsteht in Seattle ein Pick-up-Supermarkt als erster Testballon. Dem Vernehmen nach bestellt der Kunde online die Produkte, für die auf dem Nachhauseweg nur noch kurz in der Drive-in-Straße gehalten werden muss. Nach inzwischen mehreren Buchläden drängt Amazon also offenbar mit innovativen Cross-Channel-Ideen weiter ins traditionelle Business (http://tinyurl.com/z8ujcrp).

Aber natürlich geht es auch eine Nummer kleiner. Beispielsweise mit dem Shop-in-Shop Amazon Handmade, der bald in Deutschland starten wird und als Marktplatz Handwerkskunst und Designern eine lukrative Bühne bieten soll (http://tinyurl.com/zluqxxc). Oder aber die hochinteressante Kooperation mit Mercedes Benz. Der E-Commerce-König beteiligt sich an der Markteinführung der neuen E-Klasse, die auf Amazon auf einer attraktiven Sonderseite präsentiert wird. Dort können sich interessierte Amazon-Kunden gleich auch für eine Probefahrt anmelden. Sicherlich kein Vorstoß, der ohne Hintergedanken erfolgt. Was Amazon im Auto-Markt plant, bleibt jedoch vorerst unklar (http://tinyurl.com/jmvyd2j).

Amazon-Locker docken bei Shell an

Eine weitere Neuerung sind die Amazon-Locker, die als Packstationen die Zustellung unabhängig von der Erreichbarkeit des Bestellers sicherstellen sollen. An zunächst zehn Shell-Stationen in München werden nun Amazon-Locker aufgestellt. Die 24-Stunden-Tanken sind gut erreichbar und immer offen, erfüllen somit also alle Voraussetzungen, um die Unabhängigkeit Amazons von den großen Paketdiensten weiter zu festigen (http://tinyurl.com/hlxe23z).

Für das bevorstehende Herbstgeschäft sucht Amazon.de wieder händeringend Logistikmitarbeiter in Deutschland. Um den Weihnachtsansturm in diesem Jahr bewältigen zu können, werden sicherlich wieder tausende Saisonarbeiter die Stoßzeiten abfedern (http://tinyurl.com/hs4w4h5). Währenddessen rutsch Amazon-Gründer Jeff Bezos in der prominent besetzten Rich-List des Wirtschaftsmagazins „Amazon_OneForbes“ einige Plätze nach oben. Kurssprünge haben Bezos‘ Vermögen zuletzt um mehr als 600 Millionen US-Dollar anwachsen lassen. Mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 66 Milliarden Dollar liegt Bezos momentan auf Rang vier der vermögendsten Menschen weltweit. Nur Microsoft-Gründer Bill Gates, Mode-Zar Amancio Ortega und Börsen-Guru Warren Buffet verfügen über größere Vermögen als Bezos (http://tinyurl.com/qy379y2).

Und die nächsten Schritte sind schon eingeleitet. Ende August ließ Amazon den Dash Button auf den deutschen Markt los. 20 Markenpartner spielen zum Start mit und liefern Ware auf Knopfdruck (http://tinyurl.com/gsjhqr6). Indes signalisiert die gebrandete 767-300 Amazon One im Prime-Air-Look, dass es für Bezos und sein Baby nur eine Richtung gibt: aufwärts (http://tinyurl.com/hypsx2a).

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