Der E-Commerce im April

Der März war spürbar zu warm – was sich auch im deutschen E-Commerce bemerkbar machte – der April wurde indes seinem Ruf als wankelmütiger Wettermonat in diesem Jahr mehr als gerecht. Mit vollen Händen hat der vergangene Monat in der Wettertruhe gewühlt und Sonnenschein bei 20 Grad, aber auch Dauerregen und gar Schneefall zum Monatsende übers Land gebracht. Beste Shoppingwetter also! Zumindest trifft das auf Onlineangebote zu, die dem Konsumenten ganz wetterunabhängig fast jeden Wunsch erfüllen.

Und das beruht auf Gegenseitigkeit. Die E-Commerce-Branche wünscht sich dauerhaftes Wachstum und der Konsument ist so nett. Rund 13,2 Milliarden Euro wurden nach aktuellen Berechnungen des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) im ersten Quartal 2017 im deutschen E-Commerce umgesetzt. Das sind knapp zehn Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Als Wachstumstreiber wurden die Produktkategorien „Einrichtung“ (+ 31,9 Prozent), „Unterhaltung“ (+ 17,4 Prozent) und „Freizeit“ (+ 12,0 Prozent) ausgemacht: http://tinyurl.com/lpkjnul

Das umreißt auch bereits sehr schön, wohin der Trend in diesem Jahr geht. Laut einer Schätzung des Handelsverbands Deutschland (HDE) wird der E-Commerce-Umsatz 2017 auf 48,8 Milliarden Euro wachsen. Im Trend: Elektronik und Entertainment, Mode und Accessoires, Baby-Produkte, Software und Kosmetik (http://tinyurl.com/kpesgg8).

Das starke Wachstum verlangt eine hohe Flexibilität von allen Beteiligten. Zunehmende Probleme bei der Besetzung neuer Stellen haben etwa die Paketdienste. Schon heute ist der Job nicht sonderlich beliebt, wird händeringend nach neuen Arbeitskräften gesucht. Sollten sich die kühnsten Prognosen bewahrheiten und sich das Paket-Volumen bis 2025 tatsächlich verdoppelt, wird es in den kommenden Jahren zu Engpässen kommen. Mit Kreativität und Technologie begegnen die Anbieter dieser neuen Herausforderung: http://tinyurl.com/mjfrc9n

Dabei tobt der Konkurrenzkampf selbstverständlich weiter. Im Wettstreit um den Kunden legt Marktführer DHL nach: Beim DHL Paket Prio wird die Zustellung nationaler Sendungen am nächsten Tag jetzt mit einer Geld-zurück-Garantie für gewerbliche Kunden abgesichert (http://tinyurl.com/m3y58ss).

In der Spitze nur einige wenige Veränderungen gab es im ersten Quartal in der Liste der reichweitenstärksten E-Commerce-Angebote. Natürlich belegt amazon.de den ersten Platz, gefolgt von ebay.de, ebay-kleinanzeigen.de und otto.de. Neu auf Rang fünf: Amazon.com (http://tinyurl.com/mufygfc).

Auf dem neunten Platz landete übrigens Zalando. Die Berliner sind derzeit in der Erfolgsspur und haben sich im ersten Quartal 2017 der Umsatzmilliarden angenähert. Zwischen 971 und 987 Millionen Euro sollen zwischen Januar und März eingenommen worden sein, so die vorläufigen Zahlen. Um bis zu 24 Prozent könnte der Modeversender im Jahresvergleich gewachsen sein. Konkrete Aussagen zur Gewinn-Verlust-Situation tätigte Zalando noch nicht: http://tinyurl.com/lhnzaoe.

Eine positive Umsatzentwicklung hat in den ersten drei Monaten des Jahres eBay durchlaufen. Um vier Prozent auf 2,2 Milliarden US-Dollar sind die Einnahmen im ersten Quartal angewachsen. Der Wert der über die Plattform abgewickelten Transaktionen wird mit 20,9 Milliarden Dollar angegeben. Die Nutzerzahl ist zudem um zwei auf 169 Millionen angewachsen (http://tinyurl.com/mcsgpbd).

Gleich um 24 Prozent ist Zooplus im ersten Quartal gewachsen. Von 208 auf 257 Millionen Euro ist der Umsatz angestiegen. Besonders stark entwickele sich derzeit das Futter-Segment. Die Prognosen für das Gesamtjahr wurden bestätigt. Mindestens 1,125 Milliarden Euro sollen erlöst werden (http://tinyurl.com/lzptu5v).

Rocket Internet legte im April eine gemischte Bilanz vor. Mit der Umsatzentwicklung von HelloFresh wurde eine Erfolgsgeschichte ins Schaufenster gestellt. Der Kochbox-Lieferant hat den Jahresumsatz auf 597 nahezu verdoppelt. Wahr ist aber auch, dass dabei der EBITDA-Verlust nur sehr leicht auf 82,6 Millionen Euro (Vorjahr: 86,2 Mio.) gesunken ist. Auch bleibt Rocket-Internet selbst tief in den roten Zahlen. Aufgrund umfangreichen Abschreibungsbedarfs summiert sich das Minus aus dem vergangenen Geschäftsjahr auf 741,5 Millionen Euro (http://tinyurl.com/mqg5zog).

Neue Möglichkeiten im E-Commerce lotet der Kosmetik-Multi L’Oreal aus. Im Kosmetikgeschäft will die Marke die Nummer eins im Netz werden. Und weil hierzulande Online-FMCG-Angebote noch zögerlich angenommen werden und beim Kosmetikkauf haptische wie olfaktorische Sinneseindrücke eine wichtige Rolle spielen, geht man bei L’Oreal neue Wege: http://tinyurl.com/krlnsy7.

Auf zu neuen Online-Ufern will noch in diesem Sommer Penny aufbrechen. Wie die Konkurrenz von Aldi bis Lidl soll der Rewe-Discounter schon bald auch über das Internet Kundenwünsche erfüllen. Im ureigensten Revier, das gleichzeitig das Hypethema im E-Commerce ist, dem Lebensmittelhandel, hält man sich online allerdings noch zurück (http://tinyurl.com/kko8uwp).

Dabei werden sich Penny wie L’Oreal darauf einrichten müssen, dass deutsche Konsumenten die neuen digitalen Angebote zwar gerne ausgiebig nutzen, dabei im Herzen aber konservative Verhaltensweisen an den Tag legen. Nach wie vor beliebteste Online-Zahlungsmethode ist beispielsweise immer noch die gute alte Rechnung, wie das EHI Retail Institute herausgefunden hat. Außerdem vertrauen die Konsumenten der Lastschrift und PayPal (http://tinyurl.com/lhy7x7a).

Und wenn der deutsche Markt dann erst einmal erobert ist, lockt die Internationalisierung. Nach Polen beispielsweise. Der Onlinehandel beim östlichen Nachbarn entwickelt sich schnell und hatte 2015 bereits ein Umsatzvolumen von 7,44 Milliarden Euro erreicht. Für die nächsten Jahre wird ein Wachstum von 15 bis 20 Prozent prognostiziert: http://tinyurl.com/k6jntge

In aller Munde ist die Diskussion um den Wachstumsmarkt Online-Lebensmittelhandel. Einig sind sich die Marktbeobachter, dass das Segment in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, das Potential aber gigantisch ist. So hat sich die „Internet World Business“ im vergangenen Monat an einer Erklärung versucht, weshalb der deutsche Markt der internationalen Entwicklung hinterherhinkt und in Deutschland weiterhin nur ein Prozent der Lebensmittel-Umsätze im E-Commerce geschrieben werden (http://tinyurl.com/n875sss).

So erhellend und richtig die Analyse auch sein mag, der Trend geht in eine andere Richtung, wie nicht zuletzt die Supermarkt-Experimente Amazons in Seattle zeigen. So nutzt auch der freundliche Berufsverband der Insolvenzverwalter in Deutschland die Diskussion für einen öffentlichkeitswirksamen Beitrag. Demnach könnte der bevorstehende Start von Amazon Fresh eine Pleitewelle im stationären Lebensmittel-Handel auslösen. Da München wohl erster Fresh-Standort in Deutschland werden wird, werden wir da zu erwartende Supermarkt-Flächensterben ja quais vor der eigenen Haus beobachten können. Wir bleiben dran (http://tinyurl.com/k8maxs7)!

Damit wäre auch bereits der Einstieg in den monatlichen Amazon-Block gelungen. Und der geht gleich gut los. In den USA prognostizieren Marktbeobachter, dass die Marktmacht Amazons in den kommenden Jahren weiter massiv ansteigen wird. Bis 2021 könnte der Anteil Amazons am US-Onlinemarkt auf 50 Prozent anwachsen, warnen die Investmentbanker von Needham. Derzeit läge der Anteil der über die Plattform Amazon.com abgewickelten Transaktionen am gesamten B2C-E-Commerce in den USA bei rund 34 Prozent. Als wichtige Wachstumstreiber wurden an der Wallstreet das Prime-Programm sowie der Marketplace identifiziert (http://tinyurl.com/lt38kdh).

Ins gleiche Horn stößt Scott Galloway, seins Zeichens Wirtschaftsprofessor an der New York University. Galloway stellt die inzwischen gar nicht mehr so abwegige These auf, dass Amazon schon bald die wichtigste Suchmaschine der Welt werden könnte – wichtiger noch als Google. Denn schon heute würden 55 Prozent der US-Konsumenten die Produktrecherche auf Amazon starten – bei weiter steigender Tendenz. Eine Entwicklung, die Amazons Position im Markt neu definiert (http://tinyurl.com/m2yc9b6).

Und schaut man in das neueste Zahlenwerk aus Seattle an, dann traut man Amazon einen solchen Sprung auch ohne weiteres zu. Um 23 Prozent auf 35,7 Milliarden US-Dollar sind die Einnahmen im ersten Quartal angestiegen. Dabei erwiesen sich erneut die Cloud-Angebote der Amazon Web Services mit einem Plus von 43 Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar als wachstumsstark. Die Einnahmen im Prime-Business kletterten um 49 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar. Unterm Stricht steht ein Nettogewinn von 724 Millionen Dollar, ein Plus von 41 Prozent. Verstummt sind damit wohl ein für alle Mal auch die Stimmen, die Amazon mit jeder Bilanzveröffentlichung die fehlende Rentabilität vorgeworfen haben. Schließlich ist es inzwischen das achte Quartal hintereinander, das mit einem Gewinn abgeschlossen wurde. Dabei wurde die traditionell hohe Investitionstätigkeit mitnichten zurückgefahren. Der operative Cashflow wurde noch um 53 Prozent auf sagenhafte 17,6 Milliarden Dollar erhöht: http://tinyurl.com/lsw6z9d

Derweil fördert der Marktführer die Kundenbindung. Etwa mit erheblichen Investitionen ins Prime-Angebot. Für 2017 soll sich das Budget für exklusive Film- und Serienproduktionen auf 4,5 Milliarden US-Dollar belaufen. Mit dieser Summe rückt Amazon in diesem Nebengeschäftsfeld der Online-Videothek Netflix auf die Pelle. Netflix will in diesem Jahr in etwa sechs Milliarden Dollar in neue Produktionen investieren. Vorbeigezogen wäre Amazon mit dieser Summe bereits an HBO. Der Pay-TV-Sender, der allerdings auf alter, linearer Ausstrahlung aufbaut, gibt in etwa zwei Milliarden Dollar jährlich für neue Produktionen aus: http://tinyurl.com/mrfqa8j

Das verfängt natürlich beim Entertainment-affinen US-Publikum. Da verwundert es dann auch nicht, dass Amazon die Zahl der Prime-Abonnements binnen zwei Jahren verdoppelt hat. Aktuellen Schätzungen zufolge sollen bereits 60 Prozent der etwa 80 Millionen Amazon.com-Kunden Prime-Nutzer sein. Das wären dann 58 Millionen Konsumenten, die 99 Dollar im Jahr für die Prime-Dienste zahlen (http://tinyurl.com/lsz7muy).

Einen Blick in die weitere Amazon-Zukunft gewährt ein Patentantrag, der im April bekannt wurde. Darin umschreibt Amazon eine vollautomatisierte Fabrik für Kleidung, die on-demand produzieren soll. Sollten die Pläne Realität werden, würde Amazon im lukrativen Mode-Geschäft sämtliche Schritte der Wertschöpfungskette abdecken. Freilich würden weiterhin die Marken fehlen, die im Modebusiness ja nicht ganz unerheblich sind: http://tinyurl.com/ky2vgg9

Etwas näher dran am profanen Tagesgeschäft sind die Pläne Amazons, mehr ins Influencer-Marketing zu investieren. Unlängst wurde in den USA ein Influencer-Programm gestartet, mit dem reichweitenstarke YouTuber und Social-Media-Sternchen als Werbeträger gewonnen werden sollen. Das Programm sieht eine Umsatzbeteiligung für über die jeweiligen Kanäle realisierte Verkäufe vor (http://tinyurl.com/mwjjkxf).

Als dritten Markt nach den USA und Deutschland ist Amazon Business jetzt in Großbritannien gestartet. Das Angebot für Gewerbetreibende und Unternehmen soll Amazon am Wachstum im B2B-E-Commerce beteiligen und sicherstellen, dass der B2C-Marktführer auch beim digitalen Handel zwischen Unternehmen nicht zu kurz kommt (http://tinyurl.com/ml3cnbj).

Ausgeshoppt hat es sich hingegen beim Shooping-Club Buy VIP. Nachdem bereits in den USA ein ganz ähnliches Angebot eingestellt worden war, ereilte es im April auch die deutsche Version. 2010 hatte Amazon den Shopping-Club aufgekauft und ins eigene Angebot integriert (http://tinyurl.com/n4dlyxy).

Eine bittere Pille mussten im April aber auch viele Marketplace-Händler schlucken. Amazon erhöhte die Preise im Fulfillment-by-Amazon-Programm (FBA). Unter anderem fallen höhere Lager- und Versandgebühren an: http://tinyurl.com/lguh96s

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